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Umweltethik

U. oder auch ökologische Ethik ist im Kontext der gefühlsmäßigen Betroffenheit über zunehmende Naturzerstörung entstanden und setzt sich mit Wertvorstellungen auseinander, die den Umgang mit der außermenschlichen Natur betreffen, versucht also den Prozeß der menschlichen Naturaneignung an ethische Normen zu binden.
Dazu muß geklärt werden, ob dem Menschen (anthropozentrischer Ansatz), allen Lebewesen (biozentrischer Ansatz) oder der belebten und unbelebten Natur (holistischer oder ökozentristischer Ansatz) ein eigenständiger Wert zugesprochen werden soll.
Beim anthropozentrischen Ansatz, dem im Prinzip die gesamte ethische Tradition zuzurechnen ist, wird Natur nur in ihrer Beziehung zum Menschen thematisiert. Daß der Mensch im Mittelpunkt der Betrachtung steht, heißt nicht, daß Natur auf einen Gegenstand technischer Manipulation bzw. den Aspekt der Nutzbarkeit reduziert werden muß. Bei diesem Ansatz würde z.B. die ästhetische Dimension der Natur, die von den Vertretern des holistischen Ansatzes als stärkstes Argument für den Selbstzweckcharakter der Natur angeführt wird, jedoch nur als Wert für den Menschen und nicht als Wert an sich thematisiert werden. "Wo immer der Mensch in eine ästhetische Beziehung zur Natur tritt, wo er Natur als schön erlebt, ist die Natur durch einen spezifischen Zug von Autonomie, Selbständigkeit wenn nicht gar Selbstgenügsamkeit gekennzeichnet ..., nur in den Aspekten, in denen sie nicht unmittelbar funktional ist, vermag Natur schön zu sein... So sehr die Natur innerhalb der ästhetischen Sichtweise als Subjekt, als An-Sich erscheint, so ist dieser Selbstzweckcharakter objektiv doch bloßer Schein" (Birnbacher). Natur ist Ressource in dem Sinn, daß sie ästhetisch-erotische Besetzung erlaubt.
Trotz aller Orientierungslosigkeit und dem Bedürfnis nach einem anderen Umgang mit der Natur können die Normen desselben aus der Natur selbst bzw. der Beschreibung ihrer Strukturen und Prozesse nicht abgeleitet werden. Auch wenn man von der Natur lernen kann, sind Achtung, Zurückhaltung, Schonung und Vorsorge keine natürlichen Züge von Lebewesen, sondern kulturell vermittelte Werte. "Die außermenschliche Natur prämiert ausschließlich das Überleben. Überleben ist aber eine allzu schmale Wertbasis für die Ethik" (Birnbacher).

Lit.: D.Birnbacher: Mensch und Natur, Grundzüge der ökologischen Ethik, in: Kurt Bayertz (Hrsg.): Praktische Philosophie, Hamburg 1991; D.Birnbacher: Ökologie und Ethik, Stuttgart 1983

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